Fürstenzimmer der Festung Hohensalzburg

Die Fürstenzimmer auf Hohensalzburg entstanden um 1500 unter Fürsterzbischof Leonhard von Keutschach (reg. 1495-1519). Keutschach ließ den Pallas der Burganlage entsprechend seinen Vorstellungen aus- und umbauen und verlegte seinen Bischofssitz auf die Festung. Das erzbischöfliche Appartement wurde im zweiten Stock des mittelalterlichen Wohnbaus eingerichtet. Darüber entstand eine Folge fürstlicher Repräsentationsräume, die Fürstenzimmern. Die Räumlichkeiten bestehen aus einem großen Saal, einer Stube, einer kleinen Bibliothek und einer Schlafkammer.

Das Prunkappartement, vor allem die Goldene Stube, wurde aufwendig und kostbar in Material und Technik ausgeführt und vereint in sich den Anspruch Leonhard von Keutschachs als Reichsfürst und geistlicher Würdenträger. Diese Doppelfunktion tritt sowohl im Typus der Ausstattungselemente wie auch in der Vielzahl von narrativen und ikonografischen Darstellungen zutage, die programmatisch auf den Machtanspruch des Fürsterzbischofs verweisen . Die Vorbilder für einzelne Ausstattungselemente, wie die Kielbögen, die in Tabernakel eingestellte Skulpturen, die Wangen der Bänke oder die reich mit Maßwerk verzierte Tür der Goldenen Stube, findet sich im sakralen Umfeld, an spätgotischen Schnitzaltären und Chorgestühlen.

Kunsthistorische Bestandserfassung und Interpretation

Da die bereits zuvor durchgeführte Quellenforschung zu den Fürstenzimmern ein
unbearbeitetes Konvolut von Unterlagen zu zwei wesentlichen Restaurierungsphasen zum
Vorschein brachte, standen am Beginn der Arbeiten umfangreiche Forschungen zur
Aufarbeitung und Klärung der Restaurierungs- und Veränderungsgeschichte der wandgebundenen
Ausstattung. Mittels kunst- und kulturhistorischer Auswertung sämtlicher relevanter Quellen
konnte eine kritische Analyse der ästhetischen und der historischen Dimension des Objektes
erfolgen. Dem folgten eine befundorientierte Interpretation und eine kunsthistorische
Bestandsanalyse. Dabei wurde jedem einzelnen Ausstattungselement die, für dieses Element
relevante, Bearbeitungs- und Veränderungsgeschichte zugewiesen und in Beziehung
zueinander gesetzt. So konnten teilweise erhebliche Veränderungen in Bezug auf
Überarbeitungen und Positionierung im Raum diagnostiziert werden. Die Forschungsergebnisse
und die sich daraus ergebenden Fragestellungen ermöglichten zielgerichtete und fundierte
konservierungswissenschaftliche Befunduntersuchungen.

  
Maßnahmen Pezolt, 1850/51                                        Hängung Ornamente Pezolt, 1851-1942

    
   Maßnahmen Adlhart, 1946-1949                             Veränderte Positionierungen, 1946-1949

Restaurierwissenschaftliche Untersuchung

Auf die Forschungsergebnisse der wissenschaftlichen Auswertung der komplexen
Restaurierungsgeschichte aufbauend, erfolgten die konservierungs- und naturwissenschaftlichen
Untersuchungen. Dazu gehören neben der Bestands- und Schadenserfassung sowohl
makroskopische wie auch mikroskopische Schichten- und Pigmentanalysen der Fassungen.
Diese Analysen unterstützen unter anderem die Identifizierung der verschiedene Zeit- und
Überarbeitungsphasen und geben Auskunft über die materialtechnischen Zusammenhänge.
Ergänzend wurden dendrochronologische, bauphysikalische Untersuchungen durchgeführt.
Dabei galt es vor allem eine eventuelle Gefährdung der Substanz durch negative Klimaeinflüsse
oder schädlichen Sonnenlichteintrag festzustellen. Ziel der Untersuchung war ein umfassendes
Konservierungs- und Restaurierungskonzept.

Kartierungen

Um die wandgebundene Ausstattung der Fürstenzimmer in ihrer Gesamtheit in Materialität und
Schadensbild zu erfassen, wurden detaillierten Bestand- und Schadenskartierungen ausgeführt.
Durch die planliche Aufnahme des Bestandes wird die Vielfalt an Oberflächengestaltungen und
Ausführungstechniken ersichtlich. Die Schadenskartierungen stellen die unterschiedlichsten
Schäden grafisch dar und ermöglichen Schadensbilder gesondert und in flächiger
Zusammenschau zu erkennen. So können mögliche Häufungen von Schäden lokalisiert werden
und eventuellen Schadensursachen kann konkret nachgegangen werden.


Schadenskartierung, Bibliothek, Nordwand